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Funktionen von herausforderndem Verhalten

Welche Funktionen könnte herausforderndes Verhalten bei Menschen im Autismus Sprektrum haben?

Herausforderndes Verhalten ist fast immer funktional – es erfüllt einen Zweck für den Menschen, auch wenn dieser für Aussenstehende nicht sofort ersichtlich ist. Statt es als «Problem» oder «Absicht» zu deuten, lohnt es sich, nach der dahinterliegenden Funktion zu fragen. Das Eisberg-Modell bringt genau das auf den Punkt: Sichtbar ist nur das Verhalten, darunter liegen Bedürfnisse, Belastungen und Auslöser.

Die wichtigsten Funktionen im Überblick:

Kommunikation. Wenn lautsprachliche oder alternative Kommunikationsmittel fehlen oder in der akuten Situation nicht verfügbar sind, kann Verhalten selbst zur Sprache werden – «Ich will nicht», «Mir ist das zu viel», «Ich brauche Hilfe», «Sieh mich». Gerade bei eingeschränkten verbalen Möglichkeiten ist Verhalten oft der einzige verlässliche Ausdruckskanal.

Flucht und Vermeidung. Sehr häufig geht es darum, einer als überfordernd, unangenehm oder unverständlich erlebten Situation zu entkommen: Anforderungen, Aufgabenwechsel, sozialer Druck, unklare Erwartungen. Das Verhalten «funktioniert», weil es die aversive Situation beendet.

Zugang oder Erlangen. Das Gegenstück: Zugang zu etwas Erwünschtem – ein Gegenstand, eine Aktivität, Nähe, Aufmerksamkeit einer bestimmten Person. Aufmerksamkeit ist dabei nicht «manipulativ» zu verstehen, sondern oft ein legitimes, nur schwer anders erreichbares Bedürfnis.

Sensorische Regulation. Hier wirkt Verhalten selbstregulierend, unabhängig vom sozialen Umfeld. Es kann Reizüberflutung dämpfen (Rückzug, Abschirmen, Stimming zur Beruhigung) oder umgekehrt sensorischen Input erzeugen, der als angenehm oder ordnend erlebt wird. Overload und Understimulation können beide dahinterstecken.

Emotions- und Stressregulation. Verhalten dient dazu, mit Anspannung, Angst, Unsicherheit oder emotionaler Überlastung umzugehen. Ein Meltdown ist in diesem Sinn kein «Ausraster», sondern ein Überlaufen des Systems – eher Ausdruck von Kontrollverlust als von Kontrolle.

Vorhersehbarkeit und Kontrolle. Das Bedürfnis nach Struktur, Ordnung und Berechenbarkeit ist zentral. Verhalten kann versuchen, eine als chaotisch oder unvorhersehbar erlebte Umgebung wieder handhabbar zu machen – etwa durch Festhalten an Abläufen oder Widerstand gegen Veränderung.

Schmerz, Unwohlsein, körperliche Ursachen. Nicht zu unterschätzen: Zahnschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Schlafmangel, Infekte, Medikamentenwirkungen. Bei erschwerter Selbstauskunft wird Verhalten manchmal zum einzigen Hinweis auf ein körperliches Problem.

Zwei Dinge sind in der Praxis wichtig: Erstens kann dasselbe Verhalten bei verschiedenen Personen – oder bei derselben Person in verschiedenen Situationen – ganz unterschiedliche Funktionen haben. Zweitens erfüllt ein Verhalten oft mehrere Funktionen gleichzeitig (z. B. Flucht und sensorische Entlastung). Eine funktionale Verhaltensanalyse fragt deshalb systematisch nach dem Kontext: Was ging voraus (Auslöser), was folgte (aufrechterhaltende Konsequenz), und welches Bedürfnis wird dahinter erkennbar?

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